”Meine Sicht” aus dem marcus vom 25.03.2026 - Aktuelles - Kirchgemeinde - Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde
”Meine Sicht” aus dem marcus vom 25.03.2026
„Meine Sicht“ – Sehen im Licht von Ostern.

Ich sehe Menschen an der Tankstelle, die ungläubig und fassungslos auf die Preistafeln schauen. Sie senken leise den Kopf oder verschaffen ihrem Ärger lautstark etwas Luft.
Ich höre Menschen, die anrufen, um von meiner Kirchgemeinde oder von der Kirchenkreissozialarbeit eine kleine Unterstützung oder ein Darlehen zu erbitten. Sie müssen die Zeit bis zum Ende der Woche irgendwie überbrücken. Ich höre sie und merke, dass sie es selbst nicht glauben können, auf diese Hilfe zurückgreifen zu müssen.
Ich sehe Menschen, die einsam geworden sind und nicht mehr darauf warten, dass jemand sie besucht.
Ich sehe Menschen, die sich in ihrem Handeln sehr eingeschränkt fühlen. Sie können sich nicht mehr vorstellen, dass sie in ihrem Leben aus eigener Kraft etwas ändern können oder wenigstens etwas dazu beitragen können.

Ich sehe diese Menschen und ich entdecke in ihnen auch etwas von mir selbst wieder:
Sie ringen um Fassung.
Sie erkennen sich selbst in ihrer Lebenssituation nur schwer wieder.
Sie erwarten oft nur noch wenig.
Sie haben nur noch so wenig Vorstellungskraft übrig.

Für diese Menschen schreibe ich diesen Text, denn für diese Menschen ist Ostern da. Für sie und für alle, die manchmal so empfinden. Die Kirche folgt Jesus Christus und ist deshalb zu genau diesen Menschen geschickt. Jesus Christus spricht: (Mt 5,3-6 Übersetzung: BasisBibel).

3»Glückselig sind die, die wissen, dass sie vor Gott arm sind. Denn ihnen gehört das Himmelreich.
4Glückselig sind die, die trauern. Denn sie werden getröstet werden.
5Glückselig sind die, die von Herzen freundlich sind. Denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.
6Glückselig sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Denn sie werden satt werden.

Jesus provoziert: er nennt Menschen „glückselig“, auf die es in keiner Weise zutrifft. Jesus sieht mehr als ihre belastenden Umstände und Probleme. Er beharrt darauf, dass diese Menschen es verdient haben, ein frohes Leben mit Zuversicht, Mut und Lebensfreude zu führen.
Nicht, weil sie sich selbst optimieren.
Nicht, weil sie mehr Leistung zeigen.
Nicht, weil sie verdrängen.
Nicht, weil sie sich verstecken.
Sondern, weil sie Liebe verdient haben.

Am Osterfest erinnern wir daran: alles, was einem erfüllten Leben, wahrhaftiger Menschlichkeit und bedingungsloser Liebe entgegensteht, bestimmt uns nicht mehr. Denn Jesus Christus ist auferstanden. Die Finsternis hat eine Grenze. Wir sehen die Welt im Licht seiner Auferstehung.
Dieses Licht ermöglicht uns einen empathischen Blick: wir sehen dorthin, wo Menschen an ihre Grenzen stoßen.
Dieses Licht befreit uns dazu, verbindlich füreinander zu sorgen.
Dieses Licht lädt uns ein, unseren Blick hoffnungsvoll zu heben.
Dieses Licht beheimatet uns in einem vertrauensvollen Blick auf Jesus Christus.
Amen.

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen
Pfr. Manuel Kaiser aus Bad Blankenburg
01.04.2026